Mantras against all odds
Im letzten Jahr hatte ich unter anderen Routinen auch jene, täglich kalt zu duschen und vor dem Spiegel zwei Ziele zu verinnerlichen.
Im letzten Jahr hatte ich unter anderen Routinen auch jene, täglich kalt zu duschen und vor dem Spiegel zwei Ziele zu verinnerlichen.
„Nutze Deine Zeit!” lautete das erste.
„UTMB Top 10” war das zweite.

(c) David Wallmann – nichts ist so erfrischend wie eine kalte Dusche… außer ein eiskalter Bergbach!
Mit Zeit sinnvoll umzugehen haben wir schon vor wenigen Wochen besprochen, und dieses Mantra ist sehr individuell. Jeder kann unter nutz-, sinn- oder lustvoller Nutzung der Zeit etwas anderes verstehen.
Der „UTMB Top 10”-Sager war indes ein sehr klar definiertes Ziel, und ich verfolgte es auch dann noch, als ich mir als vernunftbezogener Mensch sicher war, dass ich es nicht schaffen würde. Zu viele Stars des Trailrunnings waren nachgemeldet, ich war unter diesen nur mehr eine kleinere Nummer. Ein Platz unter den ersten Zehn war unrealistisch, und hätte ich wetten müssen – ich hätte es gegen mich getan. Es folgten weitere Rückschläge und Herausforderungen. Die Trail-Weltmeisterschaft im Mai lief nicht allzu gut. Zeitbedingt musste ich auch meinen Trainingsplan umstellen. Nach außen, also quasi „offiziell”, war eine einstellige Platzierung beim UTMB kein Thema mehr. Dennoch hielt ich an der täglichen Morgenroutine fest – geschah dies etwa schon unbewusst?!
Wir wissen alle, dass Worte Einfluss auf unsere Taten haben. Wenn ich mir immer wieder sage, dass ich etwas nicht kann, dann werde ich es nie können. Je mehr ich etwas wiederhole, desto mehr werde ich eins mit der Sache, im Positiven wie im Negativen.
Klar – die 171 km mit 10.000 Hm sind nicht nur mein Geist, sondern hauptsächlich mein Körper gelaufen. Und dieser hatte mit genügend Widerständen zu kämpfen. Wie also können Mantras in Erfüllung gehen, wenn äußere Umstände mit dem Ausgang des Resultats verknüpft sind? Hätten nicht so viele Top-Athleten aufgegeben, wäre ich nicht unter den ersten Zehn gelandet. Hätte mir meine Frau bei unserem Telefonat geraten, es bleiben zu lassen, anstelle mich weiter zu quälen, und ich wäre ihr gefolgt, wäre ein DNF neben meinem Namen gestanden.

Ich weiß nicht, warum ich neun Monate lang einem Mantra nachhing, an das ich – weil es von zu vielen Faktoren beeinflussbar war – selbst nicht so richtig glaubte. Fakt ist, dass ich beim UTMB 2018 Neunter geworden bin und mein Ziel somit in Erfüllung gegangen ist.
Fakt ist weiters, dass ich mir auch nach dem UTMB weiterhin täglich „Nutze deine Zeit” im Spiegel vorsage und mir diese einfache Routine hilft, mich jeden Tag aufs Neue besser zu fokussieren. In meinem IT-Unternehmen habe ich deshalb in den letzten Monaten sehr an einer einnehmenderen Vision gearbeitet. Im Mittelpunkt unseres Handelns steht einzig und allein der Anwender. Selbstverständlich müssen wir auch Geld verdienen und die Kriterien eines wirtschaftlich denkenden Unternehmens erfüllen – meine Mitarbeiter und auch ich benötigen ein monatliches Gehalt zum Leben. Aber das sollte dementsprechend das Resultat unseres Bestrebens, das Beste für unsere Kunden zu wollen und zu machen, sein.

Seit meiner Anmeldung für den UTMB 2019 habe ich übrigens (natürlich) auch wieder ein neues Mantra für mein tägliches morgendliches Spiegelritual.
Zugegeben, es ist ähnlich hochgesteckt wie jenes aus dem Vorjahr. Aber wenn Träume mit Mantras und harter Arbeit zur Realität werden, dann ist das einfach großartig!

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