Vor ein paar Tagen hat mir Instagram ein Video von Steve Jobs ausgespielt. 1992, ein Hörsaal an der MIT Sloan School of Management, vor ihm lauter angehende Manager. Jobs fragt, wer von ihnen in die Beratung gehen will. Dann erklärt er, warum er davon nichts hält.
Sein Bild dafür ist eine Banane. Der Berater weiß genau, wie eine Banane aussieht, und das Unternehmen bekommt von ihm ein gutes Foto davon. Genau, sogar hilfreich, aber flach. Er kann sich viele solcher Fotos an die Wand hängen, Bananen, Pfirsiche, Trauben, und sagen, er habe mit Obst gearbeitet. „But you never really taste it“, sagt Jobs. Geschmeckt hat er die Banane nie.
Ich habe mir das Video dreimal angeschaut. Neu war mir der Gedanke nicht. Aber 2004 hätte ich ihn nicht so formulieren können, und da hätte ich ihn gebraucht.
Sechs Monate im Beratungshaus
Mit 23 war ich sechs Monate bei einem großen IT-Beratungsunternehmen angestellt. Dann habe ich gekündigt und Smarter Business Solutions gegründet, ziemlich blauäugig und mit der Überzeugung, dass ich es BESSER kann. In Großbuchstaben, so habe ich es damals tatsächlich hingeschrieben.
Die Überheblichkeit von damals würde ich heute nicht mehr unterschreiben. Gewusst habe ich mit 23 wenig. Was ich seither gelernt habe, steht in keiner Präsentation. Das meiste davon steht mir als Falten im Gesicht oder als graue Haare.
Die Tiefgarage
2010 stand ich an einem Samstag vor dem Zahlautomaten eines Wiener Parkhauses und konnte 15 Euro nicht bezahlen. Firmenkonto leer, Privatkonto leer, Firmenkreditkarte überzogen. Julia musste aus Wiener Neustadt kommen und mich auslösen. Die ganze Geschichte vom Parkhaus habe ich schon einmal aufgeschrieben. Lustig finde ich sie bis heute nicht.
Danach kam die Rechnung. Mitgesellschafter auszahlen, 220.000 Euro Forschungsförderung zurückgeben, die Firma von 20 Angestellten auf vier verkleinern. Dass es so nicht weitergeht, hätte eh jeder aus den Zahlen lesen können, dafür hätte ich keinen Berater gebraucht. Umsetzen musste ich es selbst, über Jahre, mit Namen und Gesichtern. Genau diese Jahre hängen bei mir nicht als Foto an der Wand.
Die letzte Folie
Gerade arbeite ich an einer der größten SharePoint-Migrationen Österreichs, 35 TB, mehr als 130 Großprojekte. Ein Konzept dafür, wie es gehen könnte, wäre in ein paar Wochen geschrieben gewesen. Wir setzen sie stattdessen um, und ich stehe dafür gerade, dass sie gelingt.
Den Unterschied spürt man erst mittendrin. Ein Konzept ist mit der letzten Folie fertig. Die Umsetzung ist fertig, wenn das letzte Projekt drüben ist und die Leute am nächsten Morgen damit arbeiten. Dazwischen gibt es niemanden, an den ich den Schwarzen Peter weiterreichen könnte, und das will ich auch nicht. Harry Trumans Schild auf dem Schreibtisch gilt bei uns seit Jahren: The buck stops here.
Der Prototyp in einer Stunde
Mit KI ist das Foto von der Banane so billig wie nie. Ein Konzept, eine Architekturskizze, ein Prototyp, der in der Demo funktioniert: Das geht heute in einer Stunde. Ich nutze das selbst jeden Tag, unsere Produkte entstehen damit schneller als je zuvor.
Dieses Foto hat eine KI in ein paar Sekunden gemacht, als Verbeugung vor Cattelans Banane. Eine echte Banane hatte ich nicht daheim.
Nur ist ein Prototyp eben auch ein Foto. Geschmeckt wird im Betrieb, wenn 35 TB nicht in einen Test-Tenant passen, wenn die Schnittstelle von Microsoft nur die Hälfte dokumentiert und wenn am Montag früh jemand seine Pläne sucht. KI-Experten gibt es heuer gefühlt in jedem zweiten Profil. Wer davon ein System schon ein Jahr lang in Betrieb gehalten hat, ist eine andere Frage.
Gegen Berater habe ich nichts, gegen KI schon gar nicht. Berater sehen von außen, was man von innen übersieht, und manche unserer Kunden arbeiten mit großen Häusern sehr gut zusammen. Nur: Ich bin nach der Präsentation noch da. Wenn es kracht, ruft man mich an.
Rhêmes-Notre-Dame
Im Trailrunning ist es noch einfacher, weil niemand für dich laufen kann. Ein Trainingsplan ist auch ein Foto von der Banane. Die Zonen stimmen, die Höhenmeter pro Woche auch. Wie er schmeckt, weiß man erst in der Nacht am Berg.
Heuer habe ich beim TOR des Géants in Rhêmes-Notre-Dame aufgehört, rund 270 Kilometer vor Courmayeur. Schwindel in der Höhe, Krämpfe, irgendwann ging nichts mehr hinunter. Danach habe ich aufgeschrieben, dass es niemanden gibt, dem ich die Verantwortung geben könnte. Zu wenig getrunken, zu wenig Elektrolyte, ein Sommer mit zu vielen Baustellen. Das stand in keinem Plan. Jetzt steht es in meinen Notizen für 2027.
Wie die andere Seite schmeckt, weiß ich vom neunten Platz beim UTMB 2018. Beides lernt man nicht von einem Foto. Einmal gewinnt man, einmal lernt man, und gelernt habe ich fast immer beim zweiten.
Die Migration ist noch nicht fertig. Ich bin noch da.
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Auf der Bühne verbinde ich meine Erfahrungen als Unternehmer und Ultra-Trailrunner: Entscheidungen unter Druck, Verantwortung und die Balance zwischen Leistung, Beruf und Familie.
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